Warum wir gegen ein Wohnheim am Kisselberg sind

Stadtplanung ist mehr als Baurecht zu schaffen für einen Wohnblock. Davon ist in der Vorlage nichts zu erkennen.

Wer Wohngebiete entwickeln will, muss auch eine Aufenthaltsqualität für die Bewohner schaffen. Ein Gebiet für „tertiäres Gewerbe“ schafft diese Aufenthaltsqualität nicht, denn es ist in seiner Struktur nur dafür ausgelegt, dass Menschen dort morgens hineinfahren, acht Stunden in einem Büro sitzen und danach wieder gehen. Bewohner aber sollen in diesem Gebiet ihre Freizeit verbringen und leben.

Beispiel: Ein Grünzug in einem Wohngebiet ist dafür gemacht, dass Menschen dort im Schatten der Bäume spazierengehen, Kinder dort spielen u.s.w. Der Grünzug am Kisselberg ist dafür gemacht, dass dort Autos im Schatten der Bäume parken und der Rasen ist errichtet, damit dort schmutziges Oberflächenwasser der Fahrbahn nach einem Regenschauer versickern kann.

Für die Schafffung eines Wohngebietes sind deswegen erforderlich:

  • Fußläufige Verkehrserschließeung an die Saarstraße nebst Beleuchtung und eine Brücke über die Saarstraße
  • Straßenanbindung an die Koblenzer Straße, damit ein Fahrweg vom Kisselberg zum einzigen erreichbaren Einzelhandelsstandort geschaffen wird
  • Schaffung einer ÖPNV-Anbindung, die das Wohngebiet mit dem Einzelhandels-standort Münchfeld verbindet. Heute müsste man bis HBf-West fahren, dort umsteigen und ins Münchfeld zurück.
  • Schaffung von ausreichenden öffentlichen Besucherparkplätzen. Schließlich bekommen auch Studenten in ihren Buden Besuch
  • Zulassung von Kleingewerbe und -gastronomie wie z.B. Eiscafe und Bäcker in diesem Gebiet
  • Flächenvorhaltung für Kinderbetreuungseinrichtungen

Und darüber hinaus gehört zu einer verantwortlichen Stadtplaung auch, all diejenigen Planungen anzupassen, die durch die Änderung im Sondergebiet gestört werden, d.h.:

  • Ausweisung und Erschließung von Ausweichflächen für die verlorene Fläche für Hochschulnahes Gewerbe
  • Rücknahme des Verbotes von Dienst- und Hausmeisterwohnungen in den Büroobjekten, weil es nicht einsichtig ist, warum Studenten in diesem Gebiet wohnen dürfen, Bürohausmeister aber nicht
  • Schaffung baurechtlicher Planungssicherheit für den bestehenden Betriebskindergarten
  • Auflagen an den Investor, mehr als die gesetzliche Mindestanzahl von Parkplätzen für die Bewohner zu schaffen, weil die Mindestanzahl erfahrungsgemäß nicht ausreicht und in dem Gebiet keine ausreichenden öffentlichen Parkflächen zur Verfügung stehen, um dies aufzufangen.

All dies ist in der Planungsvorlage nicht berücksichtigt, weil sie ausschließlich ein einzelnes Grundstück betrachtet und die Umgebung, die nicht als Wohn- sondern als Sondergebiet geplant ist, außer Acht lässt.

Die CDU-Fraktion lehnt daher auch die Beschlussvorlage zur II. Planstufe ab und verweist erneut auf ihre ablehneden Stellungnahmen in den Ortsbeiratssitzungen vom 05.04.2011 und 14.06.2011.

Nach Ansicht der CDU-Fraktion ist in diesem Gebiet bei dem aktuellen Erschließungsstand eine Wohnbebauung nicht möglich.

Über Nikolaus Poppitz

Stellvertretender Vorsitzender der CDU Gonsenheim, CDA-Kreisvorsitzender, Mitglied des Ortsbeirates Gonsenheim
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